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"EINS"

Ökumenisches Musikprojekt zum ÖKT 2021
"EINS"
"EINS"
© Ulrike Mahr, Dehm Verlag

Notwendige Änderung des ursprünglichen Konzepts

Der 3. Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt findet pandemiebedingt digital und dezentral statt, ganz anders als ursprünglich geplant. Die Uraufführung des Oratoriums EINS wird beim ÖKT zentral platziert sein. Das Werk ist eine Auftragsarbeit der beiden Kirchenmusikdirektor*innen der gastgebenden Kirchen. Deren Vision war es, im Frankfurter WM-Stadion den „größten ökumenischen Chor der Welt“ mit vielen tausend Sänger*innen und Musizierenden zu präsentieren.  

Im Rahmen des geänderten Gesamtkonzepts für den ÖKT wird EINS als kultureller Schwerpunkt nach dem Festakt zur Eröffnung des ÖKT am 14. Mai gestreamt. Die Besetzung wurde den Hygieneauflagen angepasst: Ein Bühnenensemble (Solisten, Auswahlchor der Frankfurter Musikhochschule und Neue Philharmonie Frankfurt) werden ihren Part vorproduzieren. Die musikalische Leitung der Studio-Produktion hat Bezirkskantor Valentin Kunert aus Wetzlar, der als ehemaliger Kapellmeister an einer renommierten Bühne reiche Erfahrung mit digitalen Produktionen mitbringt. Um den ursprünglichen Charakter des „Oratoriums zum Mitsingen“ zu erhalten, sind Virtual Choir-Einspielungen des Kinderchores der Frankfurter Domsingschule, eines Chores aus hauptamtlichen Kirchenmusiker*innen der Bistümer Limburg, Mainz und Fulda, der Evangelischen Kirchen in Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck, sowie der ACK Hessen-Rheinhessen und einem Bläserensemble der EKHN und der Frankfurter Bläser-Schule (FBS) einbezogen.

Die Komposition von Bernhard Kießig und Peter Reulein verbindet in einem musikalischen Crossover Stilistiken von der Gregorianik über Choral, Klassik, Kleszmer bis zum Jazz-Pop. Präsentiert wird das für diesen Ökumenischen Kirchentag entstandene Werk als musikalisches Highlight, an dem viele Menschen seit Herbst 2018 beteiligt waren.

Idee und Konzeption des Ökumenischen Oratorium EINS

„Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“

Die Idee

Geboren wurde die Idee für dieses Ökumenische Oratorium im Herbst 2018. Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann (Bistum Limburg) und Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) hatten eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft aus Kirchenmusiker*innen beider Gast gebenden Kirchen zusammengerufen. Deren Aufgabe bestand darin, Ideen für gemeinsame (Groß-) Projekte beim 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021 zu entwickeln. Aus vielen Vorschlägen schälte sich die Vision heraus: Im Frankfurter WM-Stadion sollte der „größte ökumenische Chor der Welt“ ein genreübergreifendes Oratorium zur Uraufführung bringen. Ein großformatiges Auftragswerk wurde als Markenzeichen für das gute ökumenische Miteinander in der Kirchenmusik angedacht.

Inhaltliche Grundlage – Epheser 4

Seit dem 1. Ökumenischen Kirchentag, der 2003 in Berlin stattfand, kreist das Anliegen ökumenischer Kirchentage darum, jenseits von allem Trennenden das Verbindende der christlichen Kirchen hervorzuheben. Diesen Wunsch stärkt bereits der Verfasser des neutestamentlichen Briefes an die Gemeinde in Ephesus. Er schreibt: „Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält“ und zählt als Kernstücke der Gemeinsamkeit auf: Ein Gott – ein Glaube – eine Taufe (vgl. Eph 4, 3 ff). Das Oratorium knüpft an diese drei Pfeiler an und macht sie zu einer zentralen Aussage.

 

EINS bündelt den biblischen Aufruf zur Einheit aus dem 4. Kapitel des neutestamentlichen Epheserbriefes. Die christlichen Gemeinden werden an ein gemeinsames Band des Friedens erinnert: „Ein Leib, ein Geist und eine Hoffnung“ wie auch „Ein Gott, ein Glaube, eine Taufe“. Der evangelische Pfarrer Eugen Eckert und Pater Helmut Schlegel haben um diese Gedanken eine Geschichte entwickelt. Die Journalistin Julia begibt sich auf eine Zeitreise zu den Anfängen der ersten Christengemeinden. Die Begegnung mit Junia, Petrus und Paulus führt zu aktuellen Erwartungen an das Handeln der Christenheit in der Welt heute.

Das Anforderungsprofil

Stilistisch wünschte sich die Arbeitsgemeinschaft ein Crossover aus traditioneller und popularer Kirchenmusik. Generationen übergreifend galt als Ziel auch das Zusammenwirken von Kinder- und Erwachsenenchören. Für die Arrangements galt als Anforderung, ein Konzept für das Zusammenspiel von Orchestermusikern mit Bläsergruppen (Posaunenchöre) und einer Bandformation zu entwickeln.

Zum ursprünglichen Konzept gehörte das interaktive Wechselspiel zwischen Bühne, Innenraum und den Rängen im Stadion. Auf der Bühne sollte ein „Favoritenensemble“ aus 80 Profis die Säulen für das Oratorium stellen und so das qualitativ hochwertige Mitwirken von Laienchören und -musikern ermöglichen.

Der Titel EINS

Die erste Zeile eines zentralen Liedes im Oratorium lautet: „Haben wir nicht letztlich einen Glauben?“. Ursprünglich stand diese Frage als Titel über dem Oratorium. Vor allem aus werbetechnischen Gründen wurde diese Überschrift verworfen (zu lang, zu uninteressant). Auf der Suche nach einem kurzen und prägnanten Titel zum Kerngedanken „Ein Gott – ein Glaube – eine Taufe“ fiel die Wahl auf das Wort EINS. In ihm steckt die Konnotation des Wunsches nach Einheit – nach Eins werden – nach Eins sein. Der Titel kann als ökumenische Vertiefung zur jüdischen Wurzel des Christentums gelesen und verstanden werden (vgl. Sch’ma Jisrael, Dtn 6,4).

Erzählfaden und Digitale Aufführung am Freitag, 14. Mai um 20:00 UHR

Zwei Frauen führen durch das Oratorium, das sich vielfach an die Apostelgeschichte anlehnt. Die Journalistin Julia lebt in unserer Gegenwart. Sie bekommt von ihrer Redaktion den Auftrag, über das Wesen und die Vision des Christentums zu berichten. Mit Interesse für ihren Auftrag und einer Menge Fragen begibt sie sich auf eine Zeitreise zurück zu den urchristlichen Gemeinden. Dort begegnet sie Junia, die Paulus in Röm 16,7 nicht nur als Verwandte, sondern auch als herausragende Persönlichkeit unter den Apostelinnen und Aposteln grüßt (vgl. Junia-Akte).

Beide Frauen begegnen den Aposteln Petrus und Paulus und werden konfrontiert mit Konflikten zwischen dem heiden- und judenchristlichen Christusverständnis. Für die Journalistin ist dieser Streit schwer nachzuvollziehen. Beeindruckt dagegen wird Junia vom Oster- und Pfingstgeschehen, das sie als großartiges Zeichen für den Sieg des Lebens versteht und für eine weltweite Verständigung für ein Leben in Frieden. Allerdings wird sie auch zur Augenzeugin der Eskalation des Konfliktes, die in die Steinigung des Stephanus mündet. Dennoch fragt Julia beharrlich weiter: Wer ist dieser Christus, zu dem ihr euch bekennt? Was ist das Besondere an ihm? Und was würde Jesus zu all den Konflikten und Auseinandersetzungen sagen?

Julia enthüllt bei ihren Recherchen weitere Spaltungen durch die Jahrtausende. Diese lähmen die Christenheit. Sie stehen einem Leben nach dem höchsten Gebot entgegen: „Gott lieben und deine Nächsten wie dich selbst“ und sie verhindern, „Salz der Erde und Licht der Welt“ zu sein. Das Oratorium kommt mit diesen Beobachtungen in unserer Gegenwart an.

Im Finale werden die Journalistin Julia und die Apostelin Junia zu Anwältinnen der Berufung: Ein Gott – ein Glaube – eine Taufe. Sich daran zu erinnern, kann der gesamten Christenheit Kraft für die gemeinsame Verantwortung für alles Leben auf der von Gott anvertrauten Erde geben. „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit“ lautet darum auch das Ende des Oratoriums.

Zur musikalischen Gestaltung

Dem Anforderungsprofil des Werkes entsprechend binden die Komponisten die Facetten vieler kirchenmusikalischer Möglichkeiten in das Oratorium ein. Als musikalische Stile stehen nebeneinander: neo-romantische Harmonien, Klänge der orientalischen Folklore, Renaissance-Polyphonie, Pop-Songs, Jazz-Rhythmen, Gregorianik, moderne Klangstrukturen, ein Doppelkanon in 14 Sprachen und vieles mehr. Neben dem Hauptchor und den vier Solist*innen treten weitere Personengruppen (Apostel*innen, Schriftgelehrte u.a.) in Erscheinung. Das Spektrum der kirchenmusikalischen Kräfte wird durch den Einsatz von Kinderchor und Posaunenchor erweitert. Moderne Tanz- Performance, an einigen Stellen (ad libitum) eingesetzt, kann den Inhalt in eine szenische Darstellung transportieren und auf einer weiteren ästhetischen Ebene erfahrbar machen. Und schließlich können die Zuhörer*innen im abschließenden Choral in die Musik mit einstimmen und ein Teil der gesamten Aufführung werden.

Rückschläge seit dem Frühjahr 2020

Dann kam die Pandemie. Zwar war das Libretto vor Ostern 2020 geschrieben und die Vertonung begann. Über dem ÖKT als Großveranstaltung aber verdüsterte sich der Himmel, so wie über allen geplanten Großveranstaltungen. Am 19. September 2020 entschied die Leitung des 3. ÖKT schließlich, die Zahl der Zulassung von Teilnehmer*innen deutlich zu verkleinern. Das Stadion als prädestinierter Veranstaltungsort wurde aufgegeben. Auch die wunderbare Idee einer Uraufführung mit vielen Mitwirkenden fiel der Pandemie zum Opfer. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits 2.000 Menschen zum Mitsingen angemeldet, ohne dass größere Werbung dafür gemacht worden war.

Konzertante statt interaktive Uraufführung

Die Leitungsgremien des ÖKT trugen an die Autoren- und Planungsgruppe nun den Wunsch nach einer konzertanten Uraufführung heran. Es herrschte Übereinstimmung darin, dass dieses Werk zu einem Markenzeichen und Aushängeschild für einen ÖKT unter erschwerten Bedingungen werden könne. Als Aufführungsort war die Festhalle in Frankfurt/M. vorgesehen, verbunden mit strengen Hygienevorschriften. Auf dem Hintergrund des Anschwellens der Ansteckungen und der Entwicklung erster Impfstoffe aber wurde die Festhalle im Jahreswechsel 2020/21 zu einem zentralen Impfzentrum umgebaut.

Somit muss das Ökumenische Oratorium nun aufwändig digital produziert werden. Der Produktionszeitraum Mitte April und die folgende Nachproduktion mit der Aufbereitung von rund 800 Einzelvideos und Einbindung in das Endprodukt stellt alle vor größte Herausforderungen.

Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen an der digitalen Uraufführung teilnehmen können. Sie sind herzlich eingeladen, am Freitag, 14. Mai 21 dabei zu sein. Ein für alle kostenfreier Zugang zu den Veranstaltungen besteht über die Webseite des ÖKT: www.oekt.de

Kontakt

Bei Nachfragen wenden Sie sich gerne an folgende Adresse:

oekt-musikprojekt@bistumbistumlimburglimburg.de

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Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg
Andreas Großmann
Diözesankirchenmusikdirektor
Bernardusweg 6
65589 Hadamar
Telefon: 06433 887-20
Mail: rkm.sekretariat@bistumlimburg.de
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Landeskirchenmusikdirektorat der EKHN
Christa Kirschbaum
Landeskirchenmusikdirektorin
Markgrafenstraße 14
60487 Frankfurt am Main
Telefon: 06971 379-130
Mail: christa.kirschbaum@zentrum-verkuendigung.de
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