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Auftritte, Laufwege, Sologesang – und alles mit Abstand

Auftritte, Laufwege, Sologesang – und alles mit Abstand
Auftritte, Laufwege, Sologesang – und alles mit Abstand
© Mathis Eckert, RKM
© Foto: Mathis Eckertalle Fotos: Mathis Eckert

Der Andachtsraum im Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist leergeräumt. Wo sich sonst der Altar befindet, steht ein Flügel. Die Rückseite des Raumes, wo sonst die Gemeinde sitzt, stellt die Bühne dar. Zwei Scheinwerfer rücken die Auftritte der zwei Solistinnen und zwei Solisten in helles Licht. Am Flügel begleitet Bernhard Kießig die Proben, einer der beiden Komponisten. Man spürt, wie viel Erfahrung er als Repetitor hat. Mit faszinierender Präzision begleitet er jedes Solo. Am Ende auch den kompletten Durchgang durch das rund 90-minütige Werk. Drei Meter entfernt steht Valentin Kunert, den Taktstock in der Hand. Beim Kirchenmusiker am Wetzlarer Dom liegt die musikalische Leitung. Es ist noch nicht lange her, dass er am Friedrichstadtpalast in Berlin als stellvertretender Kapellmeister unter Vertrag war. Auch an ihm erlebt man in jeder Bewegung und jedem Kommentar die professionelle Routine: „So füllst du mit deinem Atem das ganze Lied. Lass es mehr und mehr werden“.  Uwe Hausy, wiederum einige Meter entfernt, ergänzt: „Sehr gut, die Laufwege. Und super deine Gesten und deine Mimik“. Uwe, Spiel- und Theaterpädagoge im Zentrum, führt Regie. Ehe es zu so viel Lob kommt, war detailliertes Arbeiten nötig. Töne mussten gelernt und wiederholt werden. Der Anspruch an die vier Solist*innen ist, ihren Part auswendig zu beherrschen. Bei der Filmproduktion sollen sie die Rollen auch ausstrahlen, die sie verkörpern: Julia – eine Interessierte Journalistin, die mit Junia, Petrus und Paulus drei führenden Gestalten der urchristlichen Gemeinden begegnet.

Nur noch vier Wochen bleiben Zeit, bis das große Werk für den digitalen ÖKT als Film produziert wird. Ursprünglich sollte die Auftragsarbeit für den 3. Ökumenischen Kirchentag im Frankfurter WM-Stadion aufgeführt werden - unter Beteiligung einiger tausend Sängerinnen und Sänger. Diese Idee hat Corona verhindert, nicht aber den gemeinsamen Wunsch aller Beteiligten das Werk unter völlig veränderten Rahmenbedingungen zum Klingen zu bringen.

Geprägt von Hygienevorschriften unter Pandemiebedingungen finden die Proben statt. Sechs Meter Abstand zwischen den Sängerinnen und Sängern und häufige Lüftungspausen gehören zu den Auflagen. Das ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Besonders, wenn es um Duette, Terzette oder auch Quartette geht. Eine Woche lang wird täglich mehrere Stunden geprobt. Es geht um grundlegende Fragen: Wie trete ich auf? Wie verkörpere ich meine Rolle glaubwürdig und interessant? Wie unterstreiche ich das, was ich singe, mit welchen Gesten? Wie schaffe ich optimale Textverständlichkeit im Tempo meines Titels. Für alle Beteiligten geht es darum, sich tief und tiefer in das Werk hineinzudenken. Wo Bernhard als Begleiter aus dem auch schon umfangreichen Klavierauszug spielen kann, liegt vor Valentin bereits die Partitur. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er sich zusätzlich zum Sologesang auch auf das Orchester, den Chor und die Band einstellen muss. Im Moment sind es nicht mehr als die vier Solostimmen. Bald sind es rund 60 Menschen, vor denen er stehen wird. Und seine komplexe Aufgabe wird darin bestehen, aus vielen Menschen ein gemeinsames Team zu formen und aus vielen Stimmen und Tönen ein gemeinsames Werk: eben EINS.  

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